Tumore (Neoplasien) und Ihre Heilungschancen bei Kleintieren

Da auch bei unseren kleinen Heimtieren (Maus, Ratte, Meerschwein, Hamster, Gerbil, Kaninchen) Tumore in gleicher Art und Weise wie bei Hund und Katze auftreten können, ist sowohl der Tierarzt als auch der Tierhalter mit diesem Problem konfrontiert. Wenn nun eine Neoplasie (das heisst eine spontane Zubildung, die an einer Stelle wächst und größer wird, an der eigentlich keine sein sollte) bei einem Tier gefunden wird, so gilt vor allem ein Grundsatz: je früher professionelle Hilfe aufgesucht wird, desto besser. Denn je kleiner der betreffende Tumor noch ausgebildet ist, desto leichter kann er chirurgisch entfernt werden und desto geringer ist die Chance, dass er schon Metastasen gebildet hat. Wenn aber der Tumor eine gewisse Größe überschreitet ist eine Therapie fast nicht mehr möglich und dem Tier wurden unnötige Schmerzen zugefügt: es bleibt dann nur noch der letzte Ausweg der Euthanasie.

Die am häufigsten auftretenden Tumore bei der Maus sind Lymphatische Leukose, Mammakarzinom und diverse Bauchhöhlentumore.

Die lymphatische Leukose ist ein Tumor im blutbildenden System und tritt bei Inzuchtlinien stark vermehrt auf. Es kommt zu Zubildungen im Bereich des Halses (an den Lymphdrüsen und Lymphknoten) und in weiterer Folge - bedingt durch diese Schwellung - zu Atemproblemen und Blutzirkulationsproblemen. Leider ist diese Erkrankung chirurgisch nicht zu beheben und kann nur mit einer medikamentellen Behandlung zu beseitigen versucht werden. Es kommt dabei aber zu keiner Heilung, sondern - in Form einer Chemotherapie - nur zu einer Verlangsamung des Krankheitsverlaufes.

Mammatumore (die bösartige Form davon ist das Mammakarzinom) treten sehr häufig auf. Werden diese rechtzeitig erkannt und entsprechend behandelt, so kann diese Form der Neoplasie sehr gut entfernen und damit die Lebenserwartung des Tieres drastisch erhöht werden. Zu bedenken ist aber hiebei, dass Mammatumoren sehr rasch Metastasen bilden und auch häufig an gleichen oder benachbarten Stellen wieder auftreten können. Wir haben beispielsweise bei uns an der Klinik eine Maus sechs Mal mit Brustkrebs operiert und damit ihre Lebenserwartung verdoppelt.

Milchdrüsentumore zählen bei der Ratte zu den häufigsten Tumoren. Glücklicherweise sind diese sehr selten bösartig, also meist gutartig. Trotzdem können sie aber wegen ihres sehr raschen Wachstums zu massiven Behinderungen führen. Oftmals sehen wir uns an unserer Klinik leider mit Tieren konfrontiert, die Tumore mit sich herumrumschleppen, welche gleich groß, manchmal sogar größer sind als diese Tiere selbst. Da diese Tumore mit entsprechender Narkose, Erfahrung und Equipment entfernen werden können, sollte ein solch operativer Eingriff ernsthaft überlegt werden.
Sehr häufig auftretende Tumore bei der Ratte sind solche der Unterhaut, die aber fast ausschließlich gutartig sind: Gehen die Neoplasien von den Fettzellen aus, so nennt man diese Lipome, gehen sie von Bindegewebszellen aus, so nennt man diese Fibrome. Beide Arten sind gutartig und je nach Lage und Größe meist ohne weitere Probleme zu entfernen.

Ein ebenfalls sehr häufig auftretender Tumor bei der Ratte ist jener der Hirnanhangsdrüse (= Adenom der Hypophyse). Die davon betroffenen Tiere magern chronisch ab und zeigen massive neurologische Symptome, wie Krämpfe, Zittern, Kopfwackeln, Kopfschiefhaltung, Nasenbluten usw.

Beim Meerschwein gibt es viele gutartige Zubildungen die von den Talgdrüsen und den Haaranlagen ausgehen. Diese sind mittels Operationen sehr einfach und vollständig zu entfernen. Bei gut genährten bzw. zu dicken Tieren treten auch immer wieder Tumore der Fettzellen (Lipome) auf. Diese sind ebenso einfach zu entfernen. Beim weiblichen Meerschwein treten mit zunehmendem Alter sehr oft Tumore der Eierstöcke bzw. Zysten auf. Da diese enorme Größen annehmen können, sollten sie - solange sie klein sind - mittels einer Kastration entfernt werden. Große Zubildungen an den Eierstöcken können auf Grund der sehr guten Durchblutung platzen und in der Folge zum Tod des Tieres führen.

Der am häufigsten auftretende, bösartige Tumor beim Meerschwein ist das Lyphom bzw. die Leukose. Es kommt dabei zu einer Entartung und übermäßigem Wachstum der Lymphknoten, parallel dazu auch zu Leber- und Milzschwellung.

Betroffene Tiere werden immer matter und magern auch sehr rasch ab. Einzig mögliche Therapie ist eine Chemotherapie mit einem Kortisonpräparat, welche bei vielen Tiere zu einer deutlichen Verbesserung führt und auch zu einer Erhöhung der Lebenserwartung. Diese Therapieform führt jedoch - wie oben bei der Maus erwähnt - zu keiner Heilung.

Die Haupttumore beim Kaninchen sind Tumore der Eierstöcke und der Gebärmutter. Diese sind zumeist bösartige Formen, die auch gerne Metastasen an der Milchdrüse und in der Lunge bilden. Werden sie aber rechtzeitig erkannt, dann kann mittels einer Kastration die Lebenswartung der Tiere deutlich erhöht werden. Weitere häufig auftretende Tumore sind Lymphome (siehe Meerschwein), Tumore vom Fettgewebe ausgehend (= Lipome) und Tumore von den Talgdrüsen, die ihren Ursprung in der Haut nehmen.

Bildserie Tumorentfernung:

1. Foto ansehen Operationsvorbereitung, Rasur und Desinfektion; zu Beachten ist die Tumorgröße.

2. Foto ansehen Sterile Operationsfeldabdeckung.

3. Foto ansehen Operationsbeginn, Hautschnitt zur Tumormobilisierung.

4. Foto ansehen Entfernter Tumor und Blick auf geöffnete Halsgegend.

5. Foto ansehen Blick auf vollständig vernähten Hautbereich nach 3-schichtigem Wundverschluss.

Textfenster schließen

(Textfenster schließen lohnt sich).      »HOME«